Fanø – Eine Nisse Geschichte

Fanø – Eine Nisse Geschichte

11. Juli 2018 0 Von Bärbel Schwarz

 

eine Geschichte von Stephanie Wachowski

 

was die Nisser im Sommer treiben….

Viele von euch kennne die Nisser, die in vielen nordischen Ländern eine Bedeutung haben. In Schweden gibt es Tomte, in Dänemark die Nisser. Sie wohnen in der Adventszeit in den Häusern der Menschen. Ihre Wohnungen erkennt man an den Nissetüren die gerade so klein wie ein Mauseloch sind und doch so groß, als dass dort eine ganze Käferfamilie Platz finden würde. Nisser haben es sich in vielen Wohnungen der Menschen gemütlich gemacht. Man muss die Nisser besänftigen und ihnen immer ausreichend Milchreis vor die Tür stellen, denn sonst spielen einem die süßen kleinen Kobolde lustige Streiche. Was die Nisser im Winter machen wissen wir nun also, aber was machen sie eigentlich im Sommer? Darauf möchte ich euch hiermit eine Antwort geben

 

 Wir haben auch einen Nisser. Er heißt Herr Schröder. Seinen Vornamen kennen wir nicht, er hat ihn uns nie verraten. Herr Schröder ist – wie alle Nisser klein- hat einen weiß rot gestreiften Pulli an und trägt darüber einen purpurroten Mantel. Der Mantel ist so lang, dass man seine Füße nicht erkennen kann, deswegen weiß ich nicht mal, ob er Schuhe trägt oder lieber barfuss durchs Haus geht. Auf seinem Kopf trägt er eine Mütze, die fast größer al er selbst ist. Sie ist rot und hat weiße Punkte darauf. 
Herr Schröder hat eine lustige dicke Nase die aussieht wie eine große Kugel und trägt dazu einen weißen Bart der ihm bis auf die Knie reicht. Der Bart sieht aus wie Watte, sehr flauschig und zart. Anders als die meisten Nisser, mag Herr Schröder keinen Milchreis essen. Und auch sonst unterscheidet er sich von vielen anderen, denn er spielt auch Streiche wenn er ausreichend Essen seiner Lieblingsspeise bekommen hat. Nisser sind sehr scheue Wesen die am liebsten dann aus ihrer Wohnung kriechen, wenn alle Familienmitglieder im Haus längst schlafen.

Ralf glaubte lange nicht daran, dass wir einen Nisser bei uns wohnen haben. Für einiges was bei uns im Haus an komischen Dingen passierte wollte er mich verantwortlich machen. „Steeeeeph?“ rief er, wenn er morgens aufwachte und plötzlich viele bunte Herz-Aufkleber in seinem Gesicht feststellte…. „Steeeeeeph?“ rief er ebenso, wenn er nachts beim Toilettengang über die Schuhe stoplerte die im Flur in völliger Unordnung herum lagen oder die Sonnenblumenkerne an der Rinde des Brotes plötzlich nicht mehr da waren. Erst nachdem die Toffifeepackung mit nur einem letzten Toffifee im Schrank lag, glaubte er mir, dass da noch jemand anderes am Werk war. Seitdem ist alles ein bisschen ruhiger bei uns geworden. Meine Mutter war sofort überzeugt, dass ein Nisser bei uns wohnt und schenkte uns – und Herrn Schröder- zu Weihnachten 3 Packungen Toffifee plus eine schöne Nissedør für den kleinen Gesellen.

Aber schnell zur Frage zurück, was ein Nisser eigentlich im Sommer macht… Seit gestern weiß ich es, denn wir wissen nun, wo er im Sommer wohnt! Das allein haben wir nur der heldenhaften Sophie und ihren tollen Eltern zu verdanken. Die drei waren nämlich im Feenwald auf Fanø und haben dort, versteckt an einem Baumstamm eine Nissedør entdeckt. Auf dem Klingelschild standen folgende Namen: Schröder, Meier und Wersal.

Und heute morgen dann hatten wir Besuch. Nisserbesuch. Ralf hat es als erster bemerkt, denn der Kaffee schmeckte plötzlich nicht nach Kaffee sondern nach Banane! Natürlich könnte man denken, ich hätte am Morgen in einem Zustand des noch müde seins das Glas mit dem Kaffeepulver mit dem des Bananenpulvers ohne Absicht vertauscht. Aber wer einen Nisser bei sich wohnen hat, weiß, dass auch ER das gewesen sein könnte. Nach einem kleinen Zuckerschock den Ralf ereilte wollte er sich im Bad frisch für den Tag machen und da spürte ich plötzlich, wie etwas an meinem kleinen Zeh zog. Ich schaute herunter, rieb mir die Augen, schaute wieder herunter, und erkannte …Herrn Schröder.

„Was machst du denn hier, ich habe dich doch gar nicht gerufen und bis zum Advent dauert es noch Monate“ sagte ich zu ihm, worauf er sich am Stoff meines Nachthemdes hochzog bis er auf meinen Arm krabbeln konnte. Dort machte er es sich gemütlich wie in einer Hängematte, liess die Beine baumeln und fragte mich, ob wir Toffifee im Haus hätten. „Was machst du hier, es ist noch nicht mal Winter“!? beharrte ich auf einer Antwort von ihm und als ich ihm versprach, dass Ralf nachher Toffifee kaufen würde, da wollte er mir alles erzählen und so sprach er:

„Wir wohnen alle im Feenwald auf Fanø den Sommer über. Haben da eine Wohngemeinschaft“. „Jajaja, ich weiß, Sophis Papa hat mir gestern gesagt, dass ihr dort zu dritt wohnt“, warf ich aufgeregt ein. „Zu dritt? Nein, wir wohnen da mit ganz vielen. Aber da nicht alle Namen auf das Klingelschild im Baumhaus passten, haben wir nur drei Namen darauf geschrieben, damit die Boten wissen wo wir wohnen“. „Die Boten? Was meinst du mit Boten?“ wollte ich von ihm wissen. „Na die Eichhörnchen halt. Die bringen uns immer frische Eicheln und Nüsse die sie über haben. Im Wald gibt’s halt kein Toffifee“ schloss er seinen Satz und zwinkerte mir zu.

Ich sah, dass er ein bisschen Feenstaub an der Wimper kleben hatte und wollte diesen gerade entfernen als er meine Hand zart festhielt. „Mach das nicht, dass ist doch Feenzauber den ich brauche um wieder schnell nach Fanø zurückzureisen“ sagte er und schaute so süß, dass mir das Herz vor Freude glühte. „Aber was machst du denn jetzt hier – mitten im Sommer bei uns? Wollte ich nachwievor wissen. Normalerweise kann man euch Kobolde doch nur durch einen extra Zauber zur Sommerzeit her holen!“ 
Er rutschte von meinem Nachthemd herunter, sprang auf den Küchentisch, hopste von dort auf die Fensterbank und liess sich in den Topf der Basilikumpflanze nieder. „Gibts hier nichts zu trinken?“ fragte er, während er da im Schatten des Gewäches lag, ein Blatt Basilikum abzupfte und sich damit Luft zufächerte. Rasch lief ich durch unsere Wohnung, fand einen Fingerhut in unserem Nähkästchen, füllte diesen mit Wasser uns reichte es ihm. „Aaaah herrlich, Danke“ sagte er und liess das Wasser gluckernd in seine Kehle laufen. „Also, ich bin hier, weil ich gestern Sophie und ihre Eltern erlebt habe. Eine ganz tolle Familie. Sie haben uns im Feenwald besucht und da hatte ich auch ein wenig Sehnsucht nach euch. Apropos, ist Ralf schon unterwegs wegen der Tofifees…?“

Ich bejahte, wurde mutiger und fragte ihn, was denn all die Nisser, Tomtes und Kobolde in Fanøs Feenwald trieben, wenn sie dort den Sommer über waren. „Oooooch, das ist ganz schnell erzählt“, sagte er und nippte an seinem Wasser aus dem Fingerhut. „Wir schlafen erst mal gaaaanz lang aus. Einige von uns gehen zum Frühsport mit Renate Reh. Andere fahren mit Susanne Schnecke durch den Wald um sich am Seerosenteich beim Pælebjerg absetzen zu lassen. Dort biegen sie an dem einem Baum herum damit er wieder so eckig aussieht wie gewohnt, die Gäste lieben das. Ich fahre regelmäßig mit dem Marienkäferexpress zur Sandbank am Hafen wo die Robben liegen. Wir kitzeln den Robben an den Ohren, das mögen sie sehr“. „Ihr kitzelt den Robben an den Ohren?“ fragte ich fassungslos und goss ihm erneut Wasser in den Fingerhut“. „Aber ja, was denkst du denn? Robin Robbe und seine Freunde lieben es, wenn wir vorbei kommen. Die liegen, tauchen und sonnen sich da den ganzen Tag- müssen aber auch immer bereit sein, wenn die nächste Fähre mit den Touristen ansteuert. Robby und seine Freunde lieben das Showgeschäft! Aber sie sind auch äußerst dankbar, wenn wir ihnen selbst dann mal mit ein wenig Kitzelei den Alltag versüßen“. „Das kann ich gut verstehen“, sagte ich und streichelte ihm über den Bart und sein dickes Bäuchlein. „Aber es geht dir gut im Feenwald, oder?“ 
„Ob es mir gut geht? Ob es mir guuuuut geht? Aber Hallo, na klaro geht´s mir gut und allen anderen auch“, rief er und sprang aus seiner eben noch entspannten Haltung hoch. Deswegen will ich auch sofort zurück! Wo bleibt Ralf denn mit den Toffifees?“ ….

Herr Schröder erzählte mir an diesem Vormittag noch viel über das Nisseleben auf Fanø. So machen sie sich alle einen Spaß daraus abends loszuziehen und Bernsteine in die Rinnen am Strand zu werfen. Wenn sich Touristen in gebückter Haltung am nächsten Tag am Strand einfinden um eben diesen zu suchen, freuen sich Schröder & Co, denn auch bei den Kobolden ist es so, dass sie nur gutes wollen und Menschen gerne glücklich machen. Ansonsten sind die gut Freund mit dem Fuchs, den Fischen, den Insekten und alle den anderen Tieren auf der Insel. Manchmal haben sie eine kleine Party im Wald, dann sitzen sie alle beisammen trinken fetzige Limo, kauen Baumharzkaugummi und freuen sich auf den neuen Tag der da kommt. Deswegen mögen sie es auch nicht gerne, wenn man bei Nacht den Feenwald betritt… 
„Ihr habt ja allerhand Spaß im Sommer“ sagte ich zu Herrn Schröder. 
„Ich dachte ja immer, man könne keinen Nisser zur Sommerzeit sehen und wenn, dann nur durch einen bestimmten Zauber“ „Das stimmt wohl“, sagte er und schnüffelte mit seiner Kugelnase hin und her. „Was schnüfflst du denn Herr Schröder?“ fragte ich irritiert aber die Antwort kam die Treppe herauf. Es war Ralf mit einer vollen Einkaufstasche und viel Toffifee.

Der eigentliche Zauber wie man Nisser wärned des Sommers zu sich holen kann, ist nicht ganz einfach. Dazu müssen bestimmte Vorgänge herrschen. Aber ich will sie euch gerne verraten…
Zum ersten muss man einen Regenb ogen am Himmel erkennen. Wenn man diesen sieht, muss man durch einen HulaHupp Reifen steigen, diesen mindestens 10 mal um sich kreisen, gleichzeitig eine Konfettikanone platzen lassen und einem Menschen mit voller Absicht und ehrlich eine Liebeserklärung vortragen. Anschließend muss man mit dem Menschen dem man gesagt hat , dass man ihn so liebt wie nichts anderes auf der Welt drei Bocksprünge machen. DANN erscheint einem ein Nisser im sommer. Aber nur dann. Und sein wir mal ehrlich, wer will einen Nisser aus dem Sommerurlaub her holen?  Zwinker, zwinker.

Herr Schröder ist längst wieder auf Fanø im Feenwald gelandet. Es geht ihm und allen anderen gut. Vielen Dank an die heldenhafte Sophie die gestern im Feenwald vor der Tür der Kobolde stand und mich zu dieser hoffentlich für euch kurzweiligen Geschichte inspiriert hat.  
Danke Sophie 

Liebste Grüße, Steph 
PS: Falls sich jemand fragt wie Herr Schröder zurück nach Fanø kam… Er ist mit dem Hummelexpress ganz schnell und unkompliziert nach 2 Std Fahrt zufrieden angekommen  

 

HERZLICHEN DANK liebe Stephanie Wachowski für diese schöne Geschichte